Ich habe einen Menschen verletzt, den ich liebe
Über Schuldgefühle, Fehler und die Erkenntnis, dass gute Absichten manchmal nicht ausreichen.
Heute fühle ich mich einfach beschissen.
Nicht wegen der Arbeit. Nicht wegen irgendeines Problems, das ich morgen wieder vergessen habe.
Sondern weil ich das Gefühl habe, einem Menschen Unrecht getan zu haben, der mir unglaublich viel bedeutet.
Und dieses Gefühl lässt mich gerade nicht los.
Ich sitze hier und denke darüber nach, was ich hätte anders machen können. Was ich hätte sagen sollen. Wann ich besser hätte zuhören müssen.
Und warum man manchmal erst im Nachhinein versteht, wie sehr das eigene Verhalten einen anderen Menschen verletzen kann.
Es war nie meine Absicht
Das ist wahrscheinlich einer der einfachsten Sätze, die man sagen kann.
„So war das nicht gemeint.“
Und vielleicht stimmt das sogar.
Vielleicht wollte man niemandem wehtun. Vielleicht war man selbst verletzt, überfordert oder wusste in dem Moment einfach nicht, wie man mit seinen Gefühlen umgehen sollte.
Aber ich merke gerade, dass eine gute Absicht nicht automatisch bedeutet, dass man richtig gehandelt hat.
Man kann jemanden lieben und trotzdem Fehler machen.
Man kann selbst verletzt sein und gleichzeitig einen anderen Menschen verletzen.
Und man kann in einer Situation glauben, richtig zu handeln, um später festzustellen, dass man manches besser hätte lösen können.
Ich muss lernen, anders mit meinen Gefühlen umzugehen
Ich bin jemand, der vieles mit sich selbst ausmacht.
Wenn mich etwas verletzt, spreche ich es nicht immer richtig an.
Manchmal verdränge ich es einfach.
Ich sage mir, dass es schon vorbeigeht.
Aber Gefühle verschwinden nicht unbedingt, nur weil man nicht mehr darüber spricht.
Irgendwann sammelt sich alles an.
Und wenn es zu viel wird, sucht man einen Weg, damit umzugehen.
Ich habe dabei Entscheidungen getroffen, die ich heute anders treffen würde.
Nicht weil meine eigenen Gefühle unwichtig waren.
Sondern weil ich lernen muss, besser mit ihnen umzugehen und bewusster darauf zu achten, welche Auswirkungen meine Entscheidungen auf die Menschen haben, die ich liebe.
Liebe bedeutet auch Verantwortung
Ich glaube, es ist leicht, jemandem zu sagen, dass man ihn liebt.
Schwieriger ist es, diese Liebe im Alltag zu zeigen.
Besonders dann, wenn man selbst verletzt, enttäuscht oder überfordert ist.
Ich möchte ein Mensch sein, bei dem sich die Menschen, die ich liebe, sicher fühlen.
Jemand, dem sie vertrauen können.
Jemand, der hinter ihnen steht und bereit ist, seine Fehler anzuerkennen.
Und gerade merke ich, dass ich dafür noch einiges lernen muss.
Es tut weh, das zuzugeben.
Aber vielleicht gehört genau das zum Erwachsenwerden.
Zu verstehen, dass man nicht immer richtigliegt.
Dass man nicht alles richtig macht.
Und dass eine Entschuldigung nicht weniger wert ist, nur weil man selbst auch verletzt wurde.
Ich kann die Vergangenheit nicht ändern
Ich kann nicht zurückgehen und bestimmte Momente anders erleben.
Ich kann nicht ungeschehen machen, was bereits passiert ist.
Was ich aber kann, ist daraus lernen.
Mehr zuhören.
Weniger verdrängen.
Meine Gefühle früher und klarer aussprechen.
Bewusster mit dem Vertrauen anderer umgehen.
Und vor allem nicht nur versprechen, mich zu bessern, sondern es tatsächlich tun.
Ich weiß, dass Veränderungen nicht über Nacht passieren.
Und ich weiß auch, dass ein paar schöne Worte nicht alles wieder gutmachen.
Aber irgendwo muss man anfangen.
Ein Gedanke zum Schluss
Heute bin ich nicht stolz auf mich.
Ich bin traurig.
Enttäuscht von manchen meiner Entscheidungen.
Und ich wünschte, ich hätte einiges anders gemacht.
Aber ich möchte nicht, dass diese Schuldgefühle einfach nur Schuldgefühle bleiben.
Ich möchte, dass sie mich dazu bringen, genauer hinzusehen und an mir zu arbeiten.
Nicht um perfekt zu werden.
Sondern um ein besserer Mensch zu sein.
Ein besserer Partner.
Für die Menschen, die ich liebe.
Und auch für mich selbst.
Denn manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo man aufhört, sich zu rechtfertigen, und anfängt, Verantwortung zu übernehmen.