Ich wollte immer für alle da sein. Nur für mich selbst nicht.

Über Hilfsbereitschaft, Verantwortung und die Schwierigkeit, sich selbst dieselbe Unterstützung zu erlauben, die man anderen gibt.

DON LIFE6 Min. Lesezeit

Ich denke viel nach.

Manchmal wahrscheinlich zu viel.

Über Dinge, die passiert sind.

Über Entscheidungen, die ich getroffen habe.

Darüber, ob ich etwas hätte anders machen können.

Und besonders viel denke ich nach, wenn Menschen, die mir wichtig sind, Probleme haben.

Ich weiß nicht genau, warum das so ist, aber ich habe oft das Gefühl, helfen zu müssen.

Nicht, weil mich jemand dazu zwingt.

Nicht, weil ich etwas dafür zurückerwarte.

Sondern weil ich es wirklich möchte.

Weil mir diese Menschen wichtig sind.

Weil ich möchte, dass es ihnen gut geht.

Und weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass es auch meine Verantwortung ist, eine Lösung zu finden.

Selbst dann, wenn ich eigentlich selbst nicht mehr kann.

Irgendeine Lösung muss es doch geben

Wenn jemand, der mir wichtig ist, Schwierigkeiten hat, fällt es mir schwer, einfach zu sagen, dass ich nicht helfen kann.

In meinem Kopf beginnt dann sofort die Suche nach einer Lösung.

Was könnte ich machen?

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Kann ich vielleicht auf etwas verzichten?

Kann ich irgendwie dafür sorgen, dass es trotzdem funktioniert?

Und solange ich das Gefühl habe, dass noch irgendeine Möglichkeit besteht, möchte ich nicht aufgeben.

Manchmal merke ich dabei gar nicht, wie viel ich von mir selbst verlange.

Denn während ich versuche, ein Problem für jemand anderen zu lösen, stelle ich mir eine Frage viel zu selten.

Und wie geht es mir eigentlich dabei?

Es macht mich glücklich, wenn es anderen besser geht

Ich möchte nicht, dass das falsch verstanden wird.

Ich helfe gerne.

Wirklich gerne.

Es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich weiß, dass ich jemandem eine Sorge nehmen konnte.

Wenn es einem Menschen, der mir wichtig ist, durch meine Unterstützung besser geht, macht mich das glücklich.

Und dieses Gefühl ist ehrlich.

Ich möchte dafür nicht bewundert werden.

Ich brauche dafür keine besondere Anerkennung.

Es reicht mir oft schon zu wissen, dass ich helfen konnte.

Aber ich habe auch gemerkt, dass es Situationen gibt, in denen ich danach selbst kaum noch Kraft habe.

Manchmal bin ich erschöpft.

Manchmal fühle ich mich regelrecht ausgebrannt.

Und trotzdem denke ich, dass ich wahrscheinlich wieder genauso handeln würde.

Weil ich weiß, wie schwer es mir fallen würde, jemanden nicht zu unterstützen, obwohl ich vielleicht noch irgendeinen Weg finden könnte.

Wenn ich nicht helfen kann, fühle ich mich schuldig

Das ist wahrscheinlich eines der Dinge, die mich an mir selbst am meisten beschäftigen.

Ich kann nur schwer akzeptieren, dass meine Möglichkeiten manchmal begrenzt sind.

Wenn ich nicht helfen kann, bleibt häufig ein schlechtes Gewissen.

Ich denke darüber nach, ob ich nicht doch mehr hätte machen können.

Ob ich zu früh aufgegeben habe.

Ob es nicht doch eine Möglichkeit gegeben hätte.

Und manchmal mache ich mir selbst Vorwürfe, obwohl ich eigentlich weiß, dass ich nicht alles schaffen kann.

Es ist, als würde ein Teil von mir verstehen, dass jeder Mensch Grenzen hat.

Aber ein anderer Teil möchte diese Grenzen einfach nicht akzeptieren.

Zumindest nicht, wenn es darum geht, anderen zu helfen.

Ich kann anderen ihre Schwächen zugestehen. Aber mir selbst fällt das deutlich schwerer.

Und vielleicht ist das etwas, das ich ändern muss.

Für andere bin ich da. Aber um Hilfe bitten kann ich selbst kaum.

Was mich besonders nachdenklich macht, ist ein Widerspruch in meinem eigenen Verhalten.

Wenn jemand meine Hilfe braucht, versuche ich, da zu sein.

Aber wenn ich selbst Probleme habe, sieht die Sache ganz anders aus.

Mir fällt es unglaublich schwer, andere Menschen um Hilfe zu bitten.

Manchmal fällt es mir sogar schwer, überhaupt darüber zu sprechen, was mich beschäftigt.

Stattdessen versuche ich, alles alleine zu lösen.

Ich denke nach.

Suche nach Lösungen.

Versuche, irgendwie einen Weg zu finden.

Und wenn ich nicht weiterkomme, denke ich eben noch mehr nach.

Ich behalte vieles für mich.

Vielleicht, weil ich mich so daran gewöhnt habe, meine eigenen Probleme selbst lösen zu wollen.

Vielleicht auch, weil ich nicht weiß, wie ich bestimmte Gefühle richtig ausdrücken soll.

Ich kann das selbst noch nicht vollständig erklären.

Aber ich merke, dass es auf Dauer anstrengend ist.

Vor allem, wenn man nach außen versucht, für andere da zu sein, während man innerlich mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt ist.

Manchmal frage ich mich, warum ich anderen so selbstverständlich helfen möchte, aber selbst so große Schwierigkeiten damit habe, Hilfe anzunehmen.

Warum fällt es mir leichter, für andere nach einer Lösung zu suchen, als jemandem zu sagen:

Ich weiß gerade selbst nicht weiter.

Ich verdränge wahrscheinlich mehr, als mir bewusst ist

Ich glaube, ich habe mir angewöhnt, vieles mit mir selbst auszumachen.

Wenn mich etwas verletzt oder beschäftigt, versuche ich manchmal einfach weiterzumachen.

Vielleicht wird es morgen besser.

Vielleicht ist es gar nicht so schlimm.

Vielleicht sollte ich nicht so viel darüber nachdenken.

Aber meistens denke ich trotzdem weiter darüber nach.

Nur eben für mich alleine.

Und manchmal verschwinden diese Gedanken nicht.

Sie bleiben irgendwo im Hintergrund.

Bis irgendwann wieder etwas passiert, das mich daran erinnert.

Dann merke ich, dass ich manches eigentlich nie richtig verarbeitet habe.

Ich habe nur aufgehört, darüber zu sprechen.

Oder vielleicht nie wirklich damit angefangen.

Und ich frage mich zunehmend, ob ich mir damit selbst manchmal mehr schade, als ich wahrhaben möchte.

Ich möchte nicht aufhören, anderen zu helfen

Bei all diesen Gedanken ist mir eines besonders wichtig.

Ich möchte meine Hilfsbereitschaft nicht verlieren.

Ich möchte weiterhin ein Mensch sein, der für andere da ist.

Der nicht wegschaut, wenn jemand Unterstützung braucht.

Der aus dem Herzen hilft.

Denn das ist eine Eigenschaft, die ich grundsätzlich an mir mag.

Aber vielleicht muss ich lernen, dass Hilfsbereitschaft nicht bedeuten sollte, sich selbst immer hintenanzustellen.

Dass ich nicht jedes Problem lösen muss.

Dass ich nicht immer eine Antwort haben kann.

Und dass ich manchmal auch sagen darf, dass ich gerade keine Kraft mehr habe.

Nicht, weil mir andere Menschen egal geworden sind.

Sondern weil meine eigenen Bedürfnisse ebenfalls wichtig sind.

Das klingt eigentlich selbstverständlich.

Aber für mich ist es das nicht immer.

Vielleicht muss ich lernen, auch Hilfe anzunehmen

Ich weiß nicht, wie schnell ich das ändern kann.

Wahrscheinlich werde ich weiterhin zu viel nachdenken.

Wahrscheinlich werde ich weiterhin versuchen, Lösungen für andere zu finden, selbst wenn meine eigenen Möglichkeiten begrenzt sind.

Und wahrscheinlich wird es mir auch weiterhin schwerfallen, jemanden um Hilfe zu bitten.

Aber vielleicht muss ich nicht alles auf einmal verändern.

Vielleicht reicht es für den Anfang, bewusster darauf zu achten.

Mich selbst öfter zu fragen, ob ich gerade wirklich helfen kann.

Ob ich die Kraft dafür habe.

Und ob ich möglicherweise gerade versuche, eine Verantwortung zu übernehmen, die gar nicht allein bei mir liegt.

Vor allem möchte ich lernen, über meine eigenen Probleme zu sprechen.

Nicht erst dann, wenn alles zu viel geworden ist.

Sondern auch vorher.

Denn vielleicht müssen wir nicht immer alles alleine schaffen.

Vielleicht ist es keine Schwäche, zuzugeben, dass man manchmal Unterstützung braucht.

Ein Gedanke zum Schluss

Ich habe lange geglaubt, dass es selbstverständlich ist, für die Menschen da zu sein, die einem wichtig sind.

Und daran glaube ich auch heute noch.

Aber ich beginne zu verstehen, dass ich dabei manchmal jemanden vergesse.

Mich selbst.

Ich nehme die Probleme anderer ernst, während ich meine eigenen häufig verdränge.

Ich suche nach Lösungen für Menschen, die mir wichtig sind, während ich mit meinen eigenen Schwierigkeiten oft alleine bleibe.

Und ich fühle mich schuldig, wenn ich anderen nicht helfen kann, obwohl ich mir selbst kaum erlaube, Hilfe anzunehmen.

Vielleicht ist es an der Zeit, daran etwas zu ändern.

Nicht, weil ich weniger für andere da sein möchte.

Sondern weil ich lernen möchte, auch für mich selbst da zu sein.

Ich weiß noch nicht genau, wie das aussehen wird.

Aber ich möchte es versuchen.

Denn vielleicht besteht die eigentliche Herausforderung für mich nicht darin, anderen zu helfen. Sondern darin, irgendwann zu akzeptieren, dass auch ich Hilfe brauchen darf.